Wer nun entgeistert dreinschaut, dem sei gesagt, so ging es mir auch, als ich dieses am Automaten sah. Verbindung mit nur einmal umsteigen und dann noch nen ICE für die Hauptstrecke. Juhuu, dachte ich, Jackpot, Hauptgewinn, das nehm ich. Ist ja immerhin billiger als ein Wochenendticket und schneller geht es dank ICE auch noch.

Denkste !!

Die erste Teilstrecke, also die ersten 40 Minuten, ging es noch mit dem Regionalexpress voran. Dann umsteigen in den ICE. Ach ja, dieser kam – wie man es gewohnt ist – natürlich zu spät. Ok, 10 Minuten, das kann er auf dem Weg nach Dresden wieder gut machen, ist ja ein schneller Zug, also nicht aufregen, der Tag war noch jung.

Im ICE endlich Platz genommen hallte mir auch schon die erste Durchsage entgegen, welche die Verspätung zu erklären versuchte. Technische Störung hiess es. Irgendwann, nachdem der Zug dann auch endlich losgefahren war und für meinen Geschmack viel zu langsam unterwegs war, folgte auch die nächste Durchsage. Nothalt in Bebra, wegen Triebwerksschaden.

Man muss erwähnen, dass Bebra nicht wirklich auf der geplanten Strecke liegt, jedoch ergab sich dadurch die Möglichkeit den Zug quasi in anderer Fahrtrichtung wieder auf die Strecke zu schicken. Also fuhr der Zug nach diesem „kurzen“ Nothalt faktisch rückwärts weiter. Hat ja glücklicherweise an jedem Ende einen Triebwagen so ein ICE.

Ich muss zugeben, kurz bevor die Meldung mit dem Nothalt kam, fielen uns einige eigenwillige Geräusche im Zug selbst auf. Die konnten wir allerdings nicht wirklich einordnen. Nach dem Richtungswechsel in Bebra wurde dies allerdings nicht besser, eher gegenteiliges war der Fall. Aus anfangs dezenten Geräuschen wurde teilweise ein wirklich lautes Klappern. Ok, man gewöhnte sich mit der Zeit dran, aber ob das so zur üblichen Geräuschkulisse eines ICE gehört, wage ich dennoch zu bezweifeln.

Wie dem auch sei, der Zug war wieder unterwegs, aus den 10 Minuten Verspätung hat die Bahn locker ne halbe Stunde gemacht – reife Leistung. Eigentlich sollte dieser ICE auch direkt bis Dresden durchfahren, jedoch stellte ich zwischendrin – dank einer Bahnhofsanzeige – fest, dass dem nicht so ist. Prompt sprach ich eine Zugbegleiterin an, ob der wirklich nur bis Leipzig fährt und wie es von da aus weiter geht, also weiter nach Dresden. Beantworten konnte sie mir nur den ersten Teil meiner Frage, wusste jedoch nicht, wie ich von Leipzig weiter komme. Nun ja, hat ja noch alles Zeit bis dahin.

Aus mir unerklärlichen Gründen war der Zug übrigens immer noch viel zu langsam unterwegs, was die Verspätung nun – lt. Durchsage – auf 40 Minuten erhöhte. Diese wurde weiter ausgebaut, als in Erfurt dann eine ganze Kompanie Freunde und Helfer durch den Zug stolperten. Ja, ich meine die in ehemals grünen Uniformen und Dienstmarken. Diese Jungs – klar, sie machen nur ihren Job – zerrten dann ein bis zwei – ich konnte es nicht genauer sehen – Gestalten aus dem Zug und die Fahrt ging weiter. Verspätung: 50 Minuten.

Grad an Halle vorbeigefahren hielt der Zug auf freier Strecke. Gefolgt von einer Durchsage. Diese berichtete und, dass wir auf Grund von Weichenstörungen nicht in den Bahnhof Leipzig einfahren können und sich die Weiterfahrt um einige wenige Minuten verzögere. Dem geübten Beobachter ist spätestens in diesem Moment der IC auf den benachbartem Gleis aufgefallen, welcher ebenfalls etwas reglos in Walachei stand. Hier witterte der Durchsagen schwingende Zugbegleiter seine Chance auf etwas Humor und ergänze mit:

Ich kann sie aber beruhigen, der IC neben uns wartet ebenfalls auf Einfahrt nach Leipzig.

Eine Glanzleistung !

Dies war der Augenblick in dem ich mein Handy zückte und begann etwas herum zu telefonieren. Zu erst meine Bekannte in Dresden, ich müsse erst mal nicht vom Bahnhof abgeholt werden, ich komm dann etwas später, sag aber rechtzeitig bescheid. Danach einen Freund, der gerade in Leipzig war und sich ebenfalls auf den Weg nach Dresden machte. Ja, wir wollten uns da treffen und ein schönes Wochenende verbringen. Dieser teilte mir mit, dass der Leipziger Bahnhof gerade etwas unbenutzbar wäre. Der Grund dafür ist eine Demo von Anhängern des ehemaligen österreicher Gastarbeiters. Klar, dem Datum nach passte es. 16. Oktober, denn laut Wikipedia begann am 16. Oktober 1939 fand der erste Angriff der deutschen Luftwaffe auf britisches Territorium statt. Aber hey, das ist lange her und kein Grund gleich nen ganzen Bahnhof zu besetzen!

Wie dem auch sei, es ging nach etwa einer halben Stunde Stillstand auf einmal rückwärts weiter. Wieder an Halle vorbei, nicht weit, dann ein erneuter Wechsel der Fahrtrichtung. Eine Durchsage informierte uns darüber, dass wir es nun auf einem anderen Wege nach Leipzig versuchen würden. War nur zu hoffen, dass da nicht auch noch ne Weiche defekt ist, denn kurze Zeit später standen wir wieder unbeteiligt im Nirgendwo herum. Ok, nicht lange, dann gab der Zugführer endlich mal Gas und rauschte, schneller als je zu vor, gen Leipzig. Auch die Durchsagen wurden wieder „heiterer“ und man bot zumindest schon mal kostenlos alkoholfreie Getränke im Bordbistro an. Auch wurden Mutmassungen laut, dass wir zumindest noch an diesem Tag in Leipzig ankämen. Auch wurden schon fleissig die Formulare zur Rückerstattung eines Teils der Fahrkosten verteilt, immerhin waren wir schon bei 75 Minuten Verspätung. Auch wurde verkündet, es stehe in Leipzig ein ICE bereit zur Weiterfahrt nach Dresden. Und siehe da, der stand wirklich da, genau gegenüber, also nur kurz rüber springen.

In Dresden angekommen – mit fast 2h Verspätung – gab ich erst mal den ganzen Wisch wegen den kosten ab. Ich bekam ungeheuerliche 5€ zurückerstattet. Auch war mein Freund aus Leipzig schon in Dresden am Bahnhof und erwartete mich bereits.

Nach der üblichen Wiedersehenszeremonie und dem anschliessenden Fressgelage bei Burger King machten wir uns dann gemeinsam auf den Weg zu unserer Bekannten.

Fazit:

Klar, billiger als mit einem Wochenendticket war ich allemal unterwegs, aber schneller bin ich auch nicht gewesen. Dafür gabs kostenlosen Kaffee und ich hab ne Menge interessanter Leute kennen gelernt. Also, wenn ihr mal das Abenteuer sucht, sucht euch einen Zugverbindung heraus, kauft euch ne Karte und fahrt los :-)

In diesem Sinne …

10 Meinungen zu “Ihr sucht das Abenteuer?

  1. Na du hast die 2 Std. Verspätung, aber gut wegesteckt ;) Immerhin war es sehr unterhaltsam und ich bin gespannt auf dein nächstes Abenteuer mit der Bahn.

    Ich selbst fahr nicht mit der Bahn, dass käme uns zu teuer, gerade wenn man zu zweit und mit Hund unterwegs ist, wird es im eigenen Auto doch etwas günstiger. Der Vorteil ist auch, dass es nur selten zu Verspätungen kommt :D

    Liebe Grüße Susi

  2. Naja, was soll man denn da sonst machen? Und wenn so etwas ständig passiert, dann entwickelt man eben einen gewissen Humor. Wobei ich ja zugeben muss, die Gesamtsituation an jenem Samstag war letztendlich auch einfach nur noch komisch, völlig entnervtes Zugpersonal, das sich schon in ihrer Kammer einschliessen wollte inbegriffen.

    Das nächste Abenteuer wird sicherlich nicht zu lange auf sich warten lassen, ich hab da schon ein neues Ziel im Visier, aber abwarten. Was mir allerdings nun noch etwas „Angst“ macht ist jene Mail:

    Deutsche Bahn (@deutschebahn) is now following your tweets (@ppfeufer) on Twitter.

    In diesem Sinne :-)

  3. Ich wäre wahrscheinlich etwas verärgert gewesen ;) , aber es ist doch schön wenn du es mit Humor nehmen kannst. :)

    Die Deutsche Bahn will dich wohl im Auge behalten und schauen wann du das nächste Mal mit der Bahn fährst. Bestimmt werden sie dann dafür sorgen, dass dein Zug pünktlich ist ^^

  4. Was ich mehr will?

    Naja, ich weiss, es klingt selbstsüchtig und so, aber wie wäre es, wenn man einfach mal ohne grössere Probleme und nach Plan dort ankommen würde, wo man hin will?

    Ok, zugegeben, das ist nicht halb so spannend wie solcherlei Abenteuer. Wobei mir da noch ein Spiel einfällt, welches die Bahn gerne mal zur Erheiterung der Fahrgäste einwirft.
    „Such den Bahnsteig!“
    Die Spielregeln sind denkbar einfach. Man fährt mit einem Zug – je nach Schwierigkeitsgrad mehr oder weniger verspätet – auf einem Bahnhof ein. Werfe dabei noch einen flüchtigen Blick auf seinen „Reiseplan“ um zu erfahren auf welchem Bahnsteig man ankommen und zu welchem man sich nun gleich durchschlagen darf.

    Der Zug steht, das Spiel beginnt.
    Level 1:
    Die Erkenntnis, dass man nicht auf dem planmässigen Bahnsteig ist.

    Level 2:
    Umorientierung.

    Level 3:
    Suche nach dem Bahnsteig des Anschlusszuges.
    Hier stellt man natürlich fest, das dort kein Zug steht. Auf Nachfragen – dies ist ein Extraquest des Spieles – beim Bahnhofspersonal erfährt man, dass der Zug von einem ganz anderen Bahnsteig – bevorzugt am anderen Ende des Bahnhofs – abfährt.

    Level 4:
    Abfahrtsbahnsteig suchen.
    Wie schon erwähnt ist dieser aller Wahrscheinlichkeit nach am anderen Ende des Bahnhofes, so das man sich durch Unmengen an Menschen und anderen Fahrgästen – die extra für dieses Level mitten im Weg positioniert wurden – zu kämpfen hat.
    Um dieses Level noch etwas spannender zu gestalten ist natürlich die Zeit sehr knapp bemessen.

    Level 5 (Bonuslevel – nicht immer verfügbar):
    In besonderen Fällen erreicht man nun dieses Bonuslevel. Hier muss man drauf aufpassen, wo man in den Zug einsteigt. Denn dieser wird im Laufe der Fahrt geteilt und hat eigentlich zwei Ziele. Daher sollte man schon im richtigen teil des Zuges sitzen, da dies gerne auch ohne Vorankündigung geschieht, oder diese durch die schlechte Lautsprecheranlage im Zug nicht zu verstehen ist.

    Fazit:
    Ihr seht, man kann eine Menge Spass mit der Bahn haben und die halten immer etwas Unterhaltsames parat. :-)

  5. Na Du hast ja wieder Ideen hier auf Lager.
    Aber ganz ehrlich, es ist teilweise wirklich schon zum Kotzen, was da so abgeht, wenn man viel mit dem Zug unterwegs ist. Nimmt man sich das alles zu Herzen, kommt man aus dem Fluchen nicht mehr heraus, also mache ich mir da lieber einen Spass draus und sehe das Ganze mit einer gewissen Portion Ironie/Zynismus um mich bei Laune zu halten, oder einfach ab und an das Bahnpersonal an die Grenzen des Verstandes zu bringen :-)

  6. Hach bin ich froh, dass ich kein Pendler mehr bin…….
    Die Längste Verspätung waren mal 4 Stunden nach der Arbeit auf einer Strecke von 60 km.
    Irgendwann nimmt man das alles mit Galgenhumor.

    Apropos ICE, ich hab da auch immder das Gefühl, dass da komische Geräusche wären. Wenn es mein Auto wäre, was so klingt, würde ich die nächste Werkstatt ansteuern. ;-)

    Mella

  7. Die liebe Bahn … mein „Rekord“ liegt bei sagenhaften 5 Stunden und 32 Minuten verspätung … soviel dazu ;) Ich habe das damals ähnlich wie Mella es schrieb mit Galgenhumor genommen. Derzeit fahre ich auch viel (zuviel) mit der Bahn und richtig glücklich darüber bin ich nicht. Wie man hier im Artikel ja schön lesen kann gibts immer wieder neue Abendteuer.

  8. Ist ja eigentlich nichts neues bei dir Bahn. Ich bin leider auch Pendler und kann davon nur ein Lied von singen. Ahja und wenn ich schon meinen ersten Kommentar hier schreibe dann muss ich Dir gleich mal ein Lob für diesen schönen Blog aussprechen.

    Viele Grüße

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